S U L F A T - K A R S T L A N D S C H A F T
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Die NEUE KELLE - Großer Karst-Erdfall
- Start : Kirche von Woffleben (210 Hm)
- Ziel : Karst-Erdfall "Kelle" (250 Hm)
- Strecke : ca. 3,5 km in NW-Richtung
- Gehzeit : Spaziergang von ca. 100 min
- Wegsamkeit : für Kinderwagen und Rollstuhl geeignet
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(Weg ist teilweise unbefestigt)
Bei Appenrode in der Nähe von Woffleben ( ca. 3,5 km ) befindet sich eine
Einsturzdoline - das Naturdenkmal "Neue Kelle". Seit 06.03.1958 steht sie unter Naturschutz.
Von der Kirche aus geht es in Richtung Ellrich bis zum Sportplatz. Dort führt die Bischofferöder Straße nach Appenrode, der man folgt. Noch vor dem Friedhof muss man scharf nach links abbiegen und an einem alten Silo vorbei in Richtung Wald gehen. Der Weg führt nach Ellrich und direkt zur Kelle. Ein anderer Weg über den Nikolausberg ist bei der Siedlung ausgeschildert, aber nur zu Fuß begehbar.
Und dass könnt Ihr dort sehen:
Die Grotte Neue Kelle war einst eine der größten Gipshöhlen Deutschlands. Sie befindet sich in einem Mischwaldgehölz in der Nähe von Woffleben und Appenrode. Wände, Decke und Boden bestanden aus weichem, schwach wasserlöslichem und sehr bröckligen Zechstein-Gips des Nord-Thüringer Karstgürtels. Der einsickernde Regen spülte im Gipsstock des Klosterberges große Hohlräume aus. Sogar unterirdische Seen entstanden auf diese Weise.
Erstmalig wurde die Neue Kelle 1577 im Mauskript der ältesten "Flora - Sylva Hercynia" von Johannes Thal als "die newe Kelben bei Bischofferode" erwähnt. Der Ellricher Diakon Heinrich Eckstorm beschrieb als erster 1591 die Ausmaße der Höhle mit einer Tiefe von 95 m, einer Breite von 82m und einer Höhe von 47m. Friedrich Stolberg vermaß um 1920 die Höhle mit T 20m x B 16m x H 20m. Ab 1830 setzte ein starker Verfall der Höhle durch natürliche Erosionsvorgänge ein, der ihr das heutige Erscheinungsbild verlieh. Dabei brach das Deckengewölbe ein und es bildeten sich an der Erdoberfläche große tiefe Löcher, die Erdfälle.
Der grünblaue Grottensee ist heute bis zu 5 m tief. Als das Decken-gewölbe um 1770 nur eine kleine Deckenöffnung hatte, war sie vielbesucht.
Das dadurch einfallende Licht verlieh der Höhle eine zauberhafte Atmosphäre. Man hatte schon früher eine Treppe angelegt und durch eine aufkommende romantische Verehrung wurden sogar
Holzfiguren aufgestellt.So konnten hier sogar größere Feste gefeiert werden. Die Wandersleute brachten sich ihr Essen mit und konnten ihre Getränke im kalten Wasser des kleinen Sees
kühlen.
Der heutige Zugang verläuft über die eingestürzte Gewölbedecke, woran man das einstige Ausmaß der Höhle erkennen kann. Der frühere Eingang befindet sich südwestlich unter dem
Geröll direkt gegenüber dem heutigen Abstieg zur Neuen Kelle.
Ein Abstieg zur Grotte sollte nur über die angelegten Stufen geschehen, da unter dem Laub loses Gestein und kleine Hohlräume verborgen liegen. Am Eingang spürt man einen eisigen Hauch mit einem
leicht saurem Geruch. Über einen Rundweg gelangt man auch an ihren oberen Rand. Auch hier sollte man auf dem Weg bleiben und vorsichtig die Naturbrücke zwischen den beiden entstandenen Erdfällen
betreten.
Es gibt auch eine Alte Kelle, die sich westlich von der Neuen Kelle unterhalb des alten Steinbruchs
am Klosterberg befindet. Es handelt sich dabei um einen wassergefüllten Erdfall. Sie wurdeschon
1348 in Schriften als Holczlyte bzw. 1475 als Kehlholcz erwähnt.
Tipp:
Geht man über den Klosterberg auf dem Wanderweg zur Kelle gelangt man direkt zum alten Steinbruch. Allerdings sollte man nur vorsichtig die Umgebung erkunden, da der verkarstete Rand stetig abbricht.
Gedichte:
Leopold Friedrich Günther Goecking: aus Ballade „Die Kelle“ von 1782
„Nur frisch ihr Herrn und Damen! gleich
Sind wir an unsrer Höle.
Seht da! – Nicht wahr? Es fährt auch Euch
Ein Schauer durch die Seele?“
Christiana vom Hagen: Aus der Ballade „Johann und Johanna oder Der Einsiedler aus der Kelle“ von 1783 / 1784
„Bei Ellrich liegt die Höle, rings
Umschirmt vom dunkeln Haine;
Gebüsch bekränzt sie; rechts und links
Ruhn grünbemooste Steine;
In tiefe weite Felsenkluft
Geht’s viel Klafter nieder. –
Ihr Hände der Natur, erschuft
Ein solches Werk nicht wieder!
Hinab zur Höle schimmert bleich
Nur so viel Sonnenhelle,
Um uns, in einem klaren Teich
Aus unterirdischem Quelle,
Zu spiegeln, wie wir trüb und blass
Am Felsenufer stehen,
Allein nichts mehr davon! So was
Muss man mit Augen sehen.“
Sagen:
1. In der Tiefe des Sees wohnten Nixen, deren Töchter sich auf Volksfesten unter die tanzenden Mädchen mischten und dafür vom Nixenvater zur Strafe getötet und in die Fluten geschleift
wurden, so daß ihr Blut auf der Oberfläche des Sees zu sehen war.
2. Große Fische mit bemoosten Köpfen ließen sich von Wernaer Dorfbewohnern fangen und begannen unterwegs in den Rocktaschen so eindringlich zu reden, daß ihre Träger sie wieder ins
Wasser warfen.
3. Alljährlich forderte der See ein Menschenleben als Opfer. Deshalb veranstaltete man in alten Zeiten zur Sühne eine Prozession nach der Höhle.
4. Ihr gegenüber stand einst eine Kapelle, die dem heiligen Johannes geweiht war. Jedes Jahr am Johannistage zog ein Priester aus Ellrich mit seinen Pfarrkindern und vielen Bewohnern der umliegenden Orte dorthin. Nach dem Gottesdienst begab sich der Priester zu der Höhle, ließ in den See ein Kreuz hinab und rief beim Wiederhinaufziehen den Menschen zu: „Kommt und gucket in die Kelle, so kommt ihr nicht ich die Hölle.“ #
- veröffentlicht am: 12.10.2008
- aktualisiert am: 18.11.2010
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